Trois lectures
← Pfirsichblüten aus China

Herbstliche Stimmung

宣州谢朓楼饯别校书叔云 · Li Tai-Po (李白)

Ach Gestern flieht dahin, ich halt es nicht. Dem Heute, das auf meinem Herzen lastet, Entreiß ich nicht die Bitternis des Grams.

Die Wandervögel nahen schon in Schwärmen, Der Herbstwind braust, ich steige auf den Söller Mit vollem Glas, und luge weit ins Land.

Ich denke an die großen, edeln Dichter Vergangner Zeiten, lese ihre Verse, Die so erfüllt von Kraft und Anmut sind.

Auch ich verspür in mir ein brausendes Empfinden, und es drängt mich mit Gewalt, Ausdruck zu geben meinem heiligen Feuer.

Doch um den großen Geistern nahzukommen, Müßt ich mich bis zum Firmament erheben Und in dem Reich der Sterne heimisch sein.

Läßt sich ein Wasserstrahl mit einem Schwerte In Stücke hauen? Kann man seinen Kummer Ertöten mit dem Becher in der Hand?

Ein dunkler Abgrund klafft in diesem Dasein Zwischen der Sehnsucht, die uns süß beseligt, Und der Erfüllung, die Enttäuschung ist.

Das Beste ist: man wirft sich in ein Boot Und bietet sich, mit sturmzerwühlten Haaren, Der wilden Macht der Elemente dar!

Hans Bethge, Pfirsichblüten aus China, 1922, S. 86. Nachdichtung aus dem Französischen. Text gemeinfrei.